Mit einem Camper von Sydney nach Melbourne inkl. Great Ocean Road – das war schon immer mein Traum. 2.000 Kilometer und 10 Tage später ist dieser Roadtrip durch Australien tatsächlich passiert. Die Planung dafür war aufwändig, deswegen gebe ich alle Insights, Highlights und No-Go’s an euch weiter. Aber soll ich euch etwas sagen: So eine Reise lässt sich nicht planen, sie hat ihren eigenen Plan. Man kommt in ein Land und hat eine Vorstellung davon… und dann kommt alles anders.

    „Gleich ist er wieder da, dieser Moment “, denke ich, als ich meinen ersten Schritt auf australischen Boden setze. Die Rede ist von jenem Zeitpunkt, bei dem man gleich um die Ecke biegt und schließlich eine lang ersehnte Sehenswürdigkeit auf seiner Bucket-List abhaken kann.

    Endlich Australien!

    Der Flug von Auckland nach Sydney steckt mir noch in den Knochen, doch davon spüre ich nichts. Denn endlich bin ich in dem Land angekommen, von dem ich seit meinem 13. Lebensjahr träume. Damals, als mir im Englischunterricht eindrucksvolle Bilder zu Australien auf dem Overheadprojektor entgegenleuchteten. Rote Erde, trockene Hitze, giftige Tiere wohin das Auge reicht und nicht zu vergessen die geheimnisvollen Ureinwohner mit ihrem heiliger Stein „Uluru“, der sich in der Mitte des Landes auftürmt… Australien hatte schon immer eine erstaunliche Anziehungskraft für mich. 13 Jahre später soll ich nun endlich dieses Land bereisen.

    Vor meiner Abreise habe ich wissbegierig alle Informationen zu Australien aufgesaugt und sauber sortiert in meinem Kopf abgelegt. Aber schon auf dem Weg zum Flughafen-Taxi wird mir klar: Australien ist anders als ich es mir ausgemalt habe. Dieses Land hat seinen eigenen Kopf. Das wussten auch schon die Aborigines. Dieses Land besitzt man nicht, es besitzt dich. Doch mehr dazu später.

    Die Route Teil 1: von Sydney nach Melbourne

    Sydney – Jervis Bay – Batemans Bay – Narooma – Mallacoota – Mystery Bay – Eden – Phillip Island – Twelve Apostels – Melbourne

    Kilometer: 2.000 / Reisedauer: 10 Tage

    Erste Station: Newtown/Sydney. Dort befindet sich unsere AirBnB-Unterkunft, die wir noch in Österreich gebucht hatten. Auf der Taxifahrt zu besagtem Ort, verbreitet der Taxifahrer schlechte Stimmung: „Habt ihr die Unterkunft schon bezahlt? Die Gegend ist mies. Geht in der Nacht nicht auf die Strasse. Meidet die dunklen Gassen.“ Wir sind verwirrt von diesen Feststellungen, lassen uns aber nicht einschüchtern. Schließlich haben wir uns im Vorhinein gut erkundigt wo wir die Tage in Sydney verbringen wollen. Ja, Newton ist nicht das konventionelle Dorf wo am Sonntag alle in die Kirche gehen. Newtown ist Bohemian Culture. Die Leute sind in jeder Hinsicht so bunt wie das Leben selbst: Ethnisch, sexuell, kulturell – eben anders, wie der Taxifahrer entsetzt betont. Und das ist genau das, was wir wollten!

    Am Abend vibriert die Stadt, die King Street ist voll mit kreativen Boutiquen, Buchläden, Bars, Pubs, Restaurants… Entertainment und Street-Life wohin das Auge reicht. Dieser Spirit ist nicht nur ein Magnet für Touristen, sondern auch für Sydneysiders.

    Must-Do when in Newtown: Ein Lokal, das sich in mein Herz gefressen hat, ist das Barmuda. Zweimal waren wir hier frühstücken… und ich finde noch immer keine Worte um die Geschmacksexplosionen die sich in diesem unscheinbarem Lokal abgespielt haben zu beschreiben. Aber ich behaupte heute noch, dieser feine, kuchenähnliche Pancake geschmückt mit seinen roten und blauen Beeren war gesund. Ich habe es gespürt! Und spüre es heute noch. Soul-Food pur!

    Drei Tage verbringen wir in Sydney, saugen die Stadt auf – wir sind angekommen. Doch wir müssen weiter. Unser Camper wartet. Nun beginnt das eigentliche Abenteuer. Denn schon beim ersten Betreten dieses Gefährtes weiß ich: Das wird eine Herausforderung. Auf 6 Quadratmetern müssen wir die nächsten Tage essen, schlafen und – natürlich – fahren. In nur 10 Tagen sollten wir rund 2.000 km zurücklegen.

    Experiment: Camping

    Die erste Nacht in unserem Apollo Camper war gleich die schlimmste: Der Esstisch, der zu einem Bett umfunktioniert werden kann, klemmte. Die Stange bewegte sich keinen Millimeter und so kam es, dass wir die erste Nacht mit einer Stange im „Bett“ verbrachten. Aber um diese Erlebnisse zu verarbeiten, werde ich wohl einen eigenen Artikel brauchen.

    Fest steht: Das Ding brachte uns an jedes Ziel und später hatte ich unser fahrendes Wohnzimmer manchmal sogar richtig gern. Schließlich kann man an jedem Ort ein Mittagsschläfchen machen – und/oder essen.

    1st Stop: Jervis Bay & Booderee National Park

    An diesem Küstenabschnitt könnte man alt werden. Das machen auch einige Aussies – wie zum Beispiel der nette Herr, der jeden Tag am Strand vor seiner Haustür ein Bad nimmt. Nur heute nicht, denn das Wetter sei schlecht und das schlage sich auf sein Gemüt wie er erzählt. Auch wir hatten uns auf wärmere Temperaturen eingestellt und tragen die Kleidung, die wir eigentlich für Neuseeland vorgesehen hatten. Immerhin: Ideal für eine Wanderung.

    Der berühmte Coastal Walk „White Sands Walk“ wird als eine der schönsten Küstenwanderungen Australiens gehandelt. Dabei sieht man auch den berühmten Hyams Beach, einen der weißesten Sandstrände der Welt. Was wir noch sahen? Eine Schlange! Der drei Meter lange Python lag quer über den Weg und vertieft ins Gespräch wäre ich fast in sie rein gelaufen.

    Wir bleiben zwei Nächte in Jervis Bay, eine davon verbringen wir im Booderee National Park auf einem Camping-Platz der von Aborigines verwaltet wird und wo du dein Lager mit Kängurus und Papageien teilst. Das gefällt mir.

    Mitten in der Natur grillen wir mit kanufahrenden Campern aus Australien und einem verrückten belgischen Professor. Wir philosophieren, welche bunten Vögel neben unserem Essen Platz nehmen. Ist das ein Eastern Rosella oder doch ein Australian King Parrot? Eine Frage die schwer zu beantworten ist. Unterscheiden sich die Vögel für Laien wie mich doch nur am Federkleid.

    Den Nachmittag kann man im Booderee National Park zum Beispiel am wunderschönen Cave Beach verbringen und auch der Botanical Garden (der einzige der in Australiens von Aborigines verwaltet wird) ist einen Besuch wert.

    Tipp: Wer Delfine auf seiner Reise-Agenda hat, kann im nahen Huskisson eine Dolphin Watching Tour (unbedingt am frühen Morgen) machen.

    2nd Stop: Batemans Bay & Narooma

    Das Wetter wird schlechter und die Batemans Bay fällt zu meinem Bedauern ins Wasser. Schließlich soll man hier am Pebble Beach mit Kängurus (!) schwimmen können. Die kalten Temperaturen, die besonders in den frühen Morgenstunden zuschlagen, haben zudem noch eine andere Nebenwirkung: Ich werde krank. Von dieser Gegend kann ich daher nicht viel erzählen, da ich sie vor allem liegend in einem Hotelzimmer verbracht habe.

    Unser Reiseplan hätte aber folgende Aktivitäten vorgesehen:

    • Kajak fahren in Pebble Beach
    • Whale Watching in Eden
    • Goldgräberstätte in Mogo
    • Austern essen wo immer es geht
    • Buchan Cave (Tropfsteinhöhle)

    3rd Stop: Mallacoota

    Als sich die Sonne endlich wieder zeigt, bin auch ich wieder auf den Beinen. Doch die Temperaturen laden noch immer nicht zum Campen ein und wir entscheiden uns spontan für eine längere Etappe, um in wärmere Gefilde zu gelangen.

    Irgendwie verschlägt es uns nach Mallacoota, einen Ort, der sein eigenes Wetter hat. Das sollte uns auch unser Bootsvermieter später bestätigen, ein älterer Mann dessen Augen so strahlten wie die eines frisch Verliebten:

    „We have our own weather. And even when it’s raining all over the region, a sunray shines directly onto our lake and you want to swim under it because it’s so beautiful. It’s magical.“

    Es stimmt, dieser Ort ist magisch und zählt zu jenen Plätzen, von denen du eigentlich niemandem erzählen willst, damit er weiter so unberührt bleibt. Das sieht auch der Alte so:

    „Fathers take their children camping and come again every year. When their children are grown up, they come again with their own family – every year. But they don’t tell anybody.“

    Ich würde diesem Mann alles glauben. Er ist diese Woche 80 Jahre alt geworden, sieht aber aus wie 60. Höchstens. Seine Augen leuchten als er über sein persönliches Shangri-La hier erzählt.

    „It’s a place, where people get younger. When I came here, I was much older.“

    Er lacht und wir fahren mit unserem soeben angemieteten Boot davon.

    In unserem Reiseführer wurde dieser wunderbare Ort mit nur wenigen Sätzen erwähnt. Wer also eine weniger touristische Alternative zu Lakes Entrance haben möchte, ist mit Mallacoota gut beraten. Dort sollte man unbedingt eine Bootstour buchen und auf eigene Faust am See (der eigentlich keiner ist – das Meer mäandert dort landeinwärts) herum schippern, einen BBQ in einer einsamen Bucht machen und darauf achten, dass kein Waran (dort Goana genannt) das Mittagsmahl klaut.

    Eigentlich wollten wir von Mallacoota aus Gabo Island mit seiner Pinguinkolonie besuchen. Dafür hätten wir aber Tage im Voraus planen müssen, weil keine offiziellen Touren dorthin angeboten werden. Keine fixe Fähre, kein nichts. Dafür bekamen wir die Pinguine später dann aber zuhauf zu Gesicht. Next stop – Phillip Island.

    4th Stop: Irgendwo im Nirgendwo

    Weil unser Tourplan zu ambitioniert und die Wettervorhersage schlecht war, streichen wir die nächste Station Lakes Entrance von der Liste. Das beschert uns sieben Stunden Autofahrt im Camper. Nach der Bootsfahrt waren wir bis spät in die Nacht unterwegs.

    Kein Problem. Schließlich können wir ja immer und überall stehen bleiben und nach hinten in unser Schlafzimmer krabbeln. Denkfehler! Wild campen ist in Australien nicht mehr so einfach, wie es einmal war. Überall befinden sich Schilder die höflich aber bestimmt darauf hinweisen, dass du die Nacht bitteschön auf einem dafür vorgesehenen Campingplatz verbringen solltest. Wir waren ja noch neu im Camping-Business und dachten, dass wir auch spät in der Nacht noch irgendwo einkehren können. Noch ein Denkfehler! Doch wir haben Glück. Trotz der heftigen Regenfälle finden wir in der Nähe von Wilsons Promontory einen Parkplatz um die Nacht zu verbringen.

    5th Stop: Phillip Island

    Auch am nächsten Tag tropft es heftig vom Himmel und das wandern im Wilsons Promontory National Park wird einstimmig gestrichen. Lieber noch einen Kaffee trinken und sich nach der kalten Nacht im Camper aufwärmen.

    Zugegeben: So hatten wir uns Australien nicht vorgestellt! So wurde uns das im Englischunterricht nicht vermittelt und auch das Klimadiagramm hat etwas anderes versprochen. Australien sollte Sommer, Sonne, Sonnenschein sein. Surfen, am Strand liegen, braun werden – doch eine Erkenntnis die ich beim Reisen hatte war, das eben nichts im Leben so ist, wie man es sich ausmalt. Und wenn man das akzeptiert, dann bekommt man, worauf man gehofft hat.

    Von da an wird das Wetter aber endlich besser. Wir fahren weiter nach Phillip Island.

    An nur einem Nachmittag bekommen wir dort Koalas zu Gesicht, sehen eine Herde Kängurus grasen und Pinguine vom Meer in ihre Höhlen wandern.

    Unsere Highlights auf Phillip Island:

    6th Stop: Great Ocean Road & Twelve Apostels

    Der Abschied von Phillip Island fällt schwer, doch wir sollten mit dem wohl schönsten Teil unseres ersten Reiseabschnitts belohnt werden: Der Great Ocean Road mit den 12 Aposteln. Hier bekommt die Aussage „Der Weg ist das Ziel“ eine völlig andere, neue Bedeutung. Vielleicht gehört der Satz sogar umgeschrieben in „Das Ziel ist der Weg“.

    Hinter jeder Kurve verbirgt sich ein noch traumhafterer Sandstrand, als gäbe es einen Wettbewerb, um den schönsten zu küren. Auf einer Straßenseite der Strand, türmt sich auf der anderen dichter Regenwald, der mancherorts die Straße wieder rückzuerobern droht.

    Was müssen sich wohl die Soldaten gedacht haben, die dazu verdonnert wurden diese Straße zu bauen? Sicherlich eine anstrengende Aufgabe, aber ein Arbeitsplatz mit der wohl schönsten Aussicht.

    An zahlreichen Plätzen kann man auf der Great Ocean Road Halt machen. Die 12 Apostel besuchen wir sogar doppelt. So wie es das gut geschulte Fotografenauge will, besuchen wir die Felsformationen einmal am Abend und einmal früh am Morgen. Mit den Gibson Steps, die nach unten zum Strand der Apostel führen, verknüpfen wir dies auch noch mit einer sportlichen Aktivität.

    Bei Maits Rest halten wir erneut. Wenn jemand vom Regenwald sprach, hatte ich immer exakt das Bild im Kopf, das sich uns dort bietet. „Wir könnten gerade auch in Brasilien sein“, stellt David treffend fest. Die Bäume sind hier so groß und die Pflanzenwelt so dicht, dass es surreal scheint, nur wenige Gehminuten von der geschäftigen Straße entfernt zu sein.

    Tatsächlich gibt es nur zwei Orte in Australien, hier und im Norden, wo der Regenwald so unberührt ist.

    Viele Strände später kommen wir im Surf-Mekka Torquay an und verbringen dort die Nacht – Shopping in den Surf-Outlets inklusive.

    Final Destination: Drei Tage Melbourne

    Goodbye Torquay, Hello Melbourne. Endlich wieder Stadtleben – und die letzten Kilometer im Camper.

    Wer in Melbourne wenig Zeit hat und viel sehen will, dem kann ich in Australien die I’m Free Tour empfehlen, die in Sydney und Melbourne zu finden ist. Wir haben diese Touren auch schon in europäischen Städten wie Stockholm und Amsterdam probiert und können sie uneingeschränkt empfehlen!

    Die Guides in ihren grünen T-Shirts sind wie Kobolde, die jeden Schatz ihrer Stadt zu schätzen wissen und ihn großzügig an ihre Zuhörer verteilen. Kostenlos. So funktioniert aber langfristig kein intaktes Geschäftsmodell. Die Guides leben also vom Trinkgeld, das die Touristen am Ende bereit sind zu geben. Je nachdem, wie gut es gefallen hat.

    Dafür wandern die Guides rund 2 ½ Stunden mit dir durch die Stadt, machen eine Zeitreise und erläutern dir Geschichten zu jeder Gasse… und sie kennen die besten Lokale der Stadt, in denen wir uns am Abend angestrengt, aber glücklich niederlassen.

    Knapp hinter Sydney ist Melbourne heute mit 4.2 Mio. Einwohnern die zweitgrößte Stadt Australiens. Das hatten sich die Aborigines wohl nicht gedacht, als sie damals den Flecken Australiens, ohne es zu wissen, verkauften. Landbesitz kennen die Ureinwohner nämlich bis heute nicht – du gehörst zum Land, aber du kannst es nicht besitzen. Davon hatte aber leider der tasmanische Großgrundbesitzer John Batman keine Ahnung, der die Aborigines für den „Landerwerb“ großzügig entlohnte…

    The End

    Das Campingabenteuer hat also trotz Startschwierigkeiten ein gutes Ende genommen. Nach einer Zeit nannten wir unseren Camper sogar liebevoll „die wilde Hilde“ und malten uns lebhaft ihre Persönlichkeit aus. Sie trägt stets zu viel Parfüm, raucht wie ein Schlot und ist das „Dorfmoped“, das nie so richtig geliebt wurde. Dennoch ist sie im Herzen immer eine gute Seele geblieben und weil wir sie so gut behandelten, wollte sie uns am Ende der Tour auch nicht mehr gehen lassen.

    Die wilde Hilde sprang in Melbourne, kurz bevor wir sie zurückgeben wollten, einfach nicht mehr an. Die Batterie war leer. Einfach so, ohne Grund. Nach einem ernsten Gespräch mit ihr („Wir haben keine gemeinsame Zukunft. Ich in Österreich, du hier. Wie stellst du dir das vor?“) und ein wenig Starthilfe ist sie schließlich doch wieder in die Gänge gekommen.

    Szenenwechsel. In weniger als 30 Minuten steige ich aus dem Flieger und bin auf der Südseeinsel Fiji. Bald ist er wieder da, dieser Moment. Und ich weiß, dass ich trotz der intensiven Lektüre in meinem Reiseführer und den bunten Geschichten in den Reiseblogs nichts über diese Insel weiß. Und dass alles anders wird, als ich es mir vorgestellt habe.

    Zum Weiterlesen: Der zweite Teil unserer Australien-Reise hat von Cairns nach Brisbane geführt.