Eine Kleinigkeit haben wir mit den Genies Michelangelo, Leonardo Da Vinci und Galileo Galilei gemeinsam: Die Vorliebe für Florenz. Eingebettet zwischen Apennin und Chianti ist die Hauptstadt der Toskana untrennbar mit dem Begriff Schönheit verbunden. Dass dies kein gänzlich unbekannter Umstand ist, beweisen 4 Millionen Touristen pro Jahr. Folge uns durch das Gedränge zwischen dem Dom Santa Maria del Fiore und den Uffizien vorbei an der Ponte Vecchio ins südliche Florenz. In die stilleren Ecken der Hip-Hood Oltrarno abseits vom florentinischen Mainstream. Und dann wieder zurück über den Fluss zu einem kulinarischen Highlight in Santa Croce.

    Firenze – Weltkulturerbe ohne (lächerliche) Begründung

    Die gesamte Altstadt von Florenz wurde 1982 in Bausch und Bogen zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt. Eine Begründung dafür, hieß es, sei „lächerlich und unverfroren“. Ist die Altstadt doch eines der großartigsten Architektur-Ensembles und die Kunstwerke einzigartig. Das UNESCO-Statement dazu:

    „The urban complex of Florence is in itself a unique artistic realization, an absolute chef-d’œuvre, the fruit of continuous creation over more than six centuries. In addition to its museums, the greatest concentration of universally renowned works of art in the world is found here.“

    Wer Florenz „nur“ für ein historisch bedeutsames Freilichtmuseum gehalten hat, unterschätzt die Stadt. Während das Erbe als Wiege der Renaissance sorgsam bewahrt wird, pulsiert hinter den Kulissen der alten Palazzi das moderne, kreative Leben.Ponte Vecchio

    Durch die Hintertür – von der Via Montebello zur Galleria dell’Accademia

    Unser Spaziergang durch die Stadt beginnt beim Boutique Hotel Velona’s Jungle in der Via Montebello. Wie muss sich der Antiquitätenhändler Pasquale Velona in den 1960er Jahren gefühlt haben, als er entlang dieser Straße jeden Morgen in seinen Laden unterwegs war? In einem Viertel, in dem die Florentiner heute wie damals auf die gleiche Weise in ihren Tag starten und zum „caffé“ ein knuspriges „cornetto“ verspeisen.

    Velona war der Besitzer des Gebäudes, in dem seine Enkelin heute ein Schmuckkästchen mit nur vier Suiten führt. Und wahrscheinlich hat ihn sein Weg direkt am Caffé Curtatone () vorbeigeführt, wo wir unseren ersten Espresso genießen. Stehend, an der Bar natürlich. Früh am Morgen noch geschlossen ist die Gelateria B. Ice gegenüber, deren Eiscreme bei Einheimischen einen besonders guten Ruf hat.

    Wir folgen nun der Via degli Orti Oricellari zum (weniger sehenswerten) Bahnhof und gehen zu einer der ältesten Kirchen der Stadt: der Basilica di San Lorenzo.

    Sie war die Pfarrkirche einer jener Familien, die den Aufstieg der Stadt vom 15. bis ins 18. Jahrhundert mit ihrem großzügigen Mäzenatentum mitgestaltet hat. Einer Dynastie, die toskanische Großherzoge, Päpste und (französische) Königinnen hervorbrachte. Na, erraten? Medici war ihr Name. Und ihre Grabkapelle, die direkt an die Basilica anschließt (die Cappelle Medicee) hat kein geringerer als Michelangelo gestaltet.

    Das Ticket kostet 7 Euro und ist auf cappellemedicee.it erhältlich. Dieses sollte unbedingt im Vorfeld erworben werden, da es sonst wie in unserem Fall passieren kann, dass kein Einlass mehr möglich ist.

    Unser Ziel ist aber onehin die Galleria dell’Accademia, die einen Katzensprung in nördlicher Richtung entfernt liegt. Wer keine Gelegenheit hat, die Medici Kapelle zu besuchen, kann am Weg zumindest durch den Innenhof des Palazzo Medici Riccardi spazieren und so eine Portion Renaissance-Architektur genießen.

    Ein Besuch der Galleria dell’Accademia ist interessant, weil sie die vielleicht berühmteste Statue der Welt beherbergt. Die Besichtigung des David von Michelangelo ist trotz nötiger Ticket-Vorreservierung, Schlange stehen und Touristenmassen jede Anstrengung wert. Kein Geheimtipp. Aber das 5,17 Meter große Original in seiner Perfektion zu bestaunen, ist jede Mühe wert.

    Tipp: Die Tickets für die Galleria dell’Accademia sollte man genauso wie jene für die Uffizien vorab beim offiziellen Tickethändler B-ticket kaufen. Die Reservierungsgebühr beträgt jeweils 4 Euro, spart aber langes Schlangestehen und die Enttäuschung, dass man vielleicht keinen Einlass mehr bekommt.

    Hungrig? Lunch im La Ménagère

    Florenz ist ein wahres Paradies für Foodies. Und das La Ménagère eignet sich gut als Garten Eden (Via Dè Ginori, 8/R, 50123 Firenze).

    Inmitten blühender Orchideen, die von der Decke baumeln, eignet sich die Mischung aus Blumenladen, Concept Store und Restaurant ideal für lukullische Genüsse (aka Lunch-Pause). Auch am Abend ist das Lokal einen Besuch wert.

    La Menagere Restaurant Florenz

    Mitten durch’s Herz – von der Via de‘ Ginori nach Oltrarno

    Wohlgenährt macht sich leichte Mittagsmüdigkeit bemerkbar. Diese Gelassenheit ist hilfreich, wenn man das touristische Herz von Florenz durchquert.

    Weithin sichtbar ragt über den Dächern die weltberühmte rote Domkuppel von Brunelleschi auf. 107 Meter ist sie hoch, ihr Durchmesser liegt bei unglaublichen 45 Metern. Ein Meisterwerk der Frührenaissance. Die prächtige Fassade des Doms hingegen ist viel jünger: Sie stammt aus dem 19. Jahrhundert.

    Selbst in der herbstlichen Nebensaison ist die Gegend rund um den Dom Santa Maria del Fiore gut gefüllt. Die Piazza del Duomo mündet schließlich in die Hauptschlagader Via dei Calzaiuoli, die die Touristenmassen in Richtung der Uffizien pumpt.

    Rausgespült werden wir an der Piazza della Signoria. Früher haben dort Hochzeiten und Hinrichtungen stattgefunden. Heute fällt der Blick auf die Kopie der zuvor im Original besichtigten David-Statue vor dem Palazzo Vecchio.

    Wir überqueren den Platz und finden uns zwischen den Gebäuden der Uffizien wieder, wo sich nach Süden hin der Blick zum Arno öffnet. Zur Rechten erahnt man schon die älteste Brücke der Stadt: Ponte Vecchio.

    Kathi & David - Uffizien

    Auf unserem Spaziergang wollen wir der Brücke ausnahmsweise nicht zu nahe treten, sondern den besten Blick darauf erhaschen. Deswegen wenden wir uns nach links, um den Arno über die Ponte alle Grazie zu überqueren. Von dort präsentiert sich das Schmuckstück gerade bei Sonnenuntergang von seiner besten Seite. Selbst die Florentiner packen dort ihre Kameras aus.

    Grünes Florenz! Bardini & Boboli

    Bardini ist der kleinere, stillere. Der mit dem guten Stadtblick. Boboli ist der größere, lautere. Dafür hat er Chiantiblick.

    Über die Piazza de Mozzi gelangen wir in die Via dei Bardi. Wohltuende Stille umfängt in dieser alten Straße die Besucher. Wer im Mittelalter Geld hatte, war in dieser Gegend ansässig. Heute kommen die meisten, um den Bardini Garten zu besuchen.

    In der Villa der Fondazione Parchi Monumentali Bardini e Peyron sind Kombi-Tickets für den Bardini Garten und den Boboli Garten erhältlich. Danach geht es mit dem Lift ein paar Stockwerke den Berg hinauf in das Naturjuwel.Boboli Garten

    Früher wurde im Bardini Garten Obst und Gemüse angebaut, heute ist es einer der schönsten Aussichtspunkte auf Florenz. Da die meisten Touristen onehin nur im Boboli Garten flanieren, hat man im Bardini Garten viel Ruhe (zumindest während der Nebensaison).

    Vom Bardini Garten gibt es eine direkte Verbindung zum Boboli Garten. Dort gehen wir in südlicher Richtung bergan bis zur Viale dei Cipressi. Der Aussichtspunkt gibt den unverbauten Blick ins Chianti frei.

    Hinter dir die Stadt, vor dir die Hügel der Toskana. Bellissimo.

    Boboli Garten - Ausblick

    Ausblick in die Toskana

    Hip. Hood. Oltrarno.

    Genug vom Park? Dann nichts wie raus. Einmal den Hügel runter und hinaus durch den Palazzo Pitti, den ehemaligen Sitz für die Großherzoge der Toskana. Schon wieder ein Ort, an dem die Medici ihre Spuren hinterlassen haben.

    Auf der Piazza Pitti kann es sein, dass gerade ein Streichquartett virtuose Meisterwerke zum Besten gibt. Es kann auch passieren, dass der Hund von Hutmacher Antonio Gatto lautstark auf sich aufmerksam macht und mit einer Streicheleinheit beruhigt werden will. Kurzum: Auf der Piazza blüht das bunte Leben. Und wer Zeit hat, sollte mal kurz das Tempo rausnehmen, Platz nehmen und Florenz genießen.

    Oder uns tief nach Oltrarno folgen. Dem Viertel, wo entlang der Via Maggio Handwerker ihre Läden und Kreative ihre Ateliers eröffnet haben. Hin zur Kirche Chiesa die Santo Spirito, wo fast immer ein Maler gerade die ikonische Fassade verewigt. In lauen Sommernächten wird der Platz davor zur einheimischen Fortgehmeile. Tagsüber übernimmt ein Markt die Nahversorgung.

    Streetart in Oltrarno

    Ein letzter Kaffee vielleicht im Ditta Artigianale ()? Der ist so gut, das man sich dazu sogar ein Weilchen setzen kann.

    Dinner anybody?

    Wenn es dämmert, macht sich Gott sei Dank wieder Hunger breit (wir sind ja in Italien). Wir brechen wieder auf und queren den Arno über die Ponte Santa Trinita. Auch von dort eröffnet sich ein schöner Blick auf die Ponte Vecchio mit der Stadt zu beiden Seiten.

    Ponte Vecchio bei Nacht

    Danach biegen wir rechts ab und gehen entlang des Arno-Ufers zurück, in Richtung Santa Croce. Versteckt in der Via dei Vagellai liegt die Libreria Brac ().

    Natürlich werden dort nicht nur Bücher verkauft, sondern es wird auch gekocht. Die preiswerten Gerichte sind vegetarisch und unglaublich köstlich.

    Libreria Brac

    So zeigt sich einmal mehr, dass die Schönheit von Florenz nicht nur mit der Vergangenheit zu tun hat. Sondern, dass die Stadt längst in der Gegenwart angekommen ist.