Wir haben vier Tage lange das wundervolle Marrakesch und seine Medina erkundet, dort eine Menge Insider-Tipps gesammelt. Die folgenden fünf Sehenswürdigkeiten sind Fixstarter auf eurer Bucket-List, wenn ihr die rote Stadt von ihrer schönsten Seite kennenlernen wollt.

    Marrakesch Sehenswürdigkeiten für deine Bucket-List

    Scheherazade, Aladin, Ali Baba – diese Figuren haben eines gemeinsam: Sie entstammen den Erzählungen aus 1001 Nacht. Im Herzen von Marokko ist ein gehörige Portion dieses orientalischen Zaubers erhalten geblieben. Es ist Marrakesch, das mit seiner jahrhundertealten Kulisse die Reisenden betört. Schwere Düfte liegen in der Luft, es lärmt in den Souks, raucht in den Garküchen und fast meint man, hoch über der Stadt die fliegenden Teppiche surren zu hören.

    Meist malt man sich voller Vorfreude in den prächtigsten Farben aus, wie ein Reiseziel sein wird. Nur um dann, endlich am Ziel angelangt, eines Besseren belehrt zu werden. Noch nie hat eine Stadt so wenig in eine Schublade gepasst wie Marrakesch. Schon gar nicht, wenn man von Städtetrips in europäische Städte wie Amsterdam, Stockholm oder Rom geprägt ist.

    Dieses überbordende Kaleidoskop an Farben, Geräuschen und Gerüchen (über)fordert die Sinne wie kaum ein anderer Ort. Wie mag es in dieser fast 1000 Jahre alten Stadt zugegangen sein, als Kamelkarawanen dort Halt machten, um in den Souks ihren Geschäften nachzugehen und Vorräte aufzufüllen? Als am Jemaa el Fna noch aufgespießte Köpfe zur Schau gestellt wurden?

    Wenn Marrakesch seinen Besuchern eines glauben machen will, dann dass es die Zeit überdauert hat. Die Köpfe sind verschwunden, wurden durch Schlangenbeschwörer, Gaukler und Schuhputzer ersetzt. Doch heute wie damals ist die rote Stadt unangepasst, wild – und unglaublich schön.

    Selbst wenn das Gassengewirr der Medina von Marrakesch bis heute nicht vollständig kartografiert ist – wir haben eine Menge Insider-Tipps parat, mit denen du Marrakesch in seiner ganzen Vielfalt erleben kannst.

    Souks in Marrakesch

    Wenn du

    • bei Tag und Nacht den verrückesten Platz Afrikas erlebt hast,
    • dir jemand mit einem Reißnagel-Handschuh im Hamam die Haut abgeschrubbt hat,
    • du das intensive Blau des Jardin Majorelle von Yves Saint Laurent genossen hast,
    • es geschafft hast, die Maison de la Photographie zu finden, ohne dich in den Gassen zu verirren,
    • und in den jahrhundertelang unentdeckten Saadier-Gräbern Katzen beobachtet hast,

    …dann hast du mit den folgenden fünf Sehenswürdigkeiten Marrakesch in all seiner Vielfalt erlebt.

    „We drink mint tea all the time!“ – Soufian, Riad Dar Ten

    Übrigens: Jede einzelne Sehenswürdigkeit solltest du nicht einfach nur abhaken sondern auch standesgemäß begießen –und zwar mit Minztee. Am leckeren Nationalgetränk kommst du auf keinen Fall vorbei!

    Der verrückteste Platz Afrikas: Jemaa al Fna

    Die Medina von Marrakesch gleicht einem lebendigen Organismus. Wenn die Gassen, die sich ständig weiter verzweigen die Adern sind, dann ist der Jemaa al Fna das pulsierende Herz der Altstadt.

    Jemaa al Fna bei Nacht

    Architektonisch eher unspektakulär, sind es die Menschen, die sich auf dem Jemaa al Fna tummeln, die diesen Ort unvergleichlich machen. Von der UNESCO als Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit gerühmt, wechselt dieser Platz nach einem festen Rhythmus sein Gesicht.

    Katharina am Jemaa al Fna

    Morgens riecht man frische Orangen von den Marktständen, deren Händler um durstige Kunden rangeln. Schuhputzer und Henna-Malerinnen warten auf erste Kunden, Schlangenbeschwörer heben ihre giftigen Vipern aus weißen Säcken und beginnen ihr Tagwerk. Ihre Flöten beginnen über den Platz zu tönen, ein Geräusch, das bis zum Einbruch der Dunkelheit nicht mehr verklingt.

    Schlangen am Jemaa al Fna

    Kobras am Jemaa al Fna

    Am späten Nachmittag beginnt das geschäftige Treiben in einem anderen Bereich des Platzes – die Marktstände für die offenen Garküchen werden aufgebaut. Kaum verschwindet die Sonne hinter dem Horizont zieht der beißende Rauch aus den Barbecues über die Menschenmenge hinweg. Mit Menükarten in der Hand lassen sich die aufdringlichen Marktschreier auch mit einem „Maybe later“ kaum besänftigen. In der Dunkelheit verschwinden die Schlangen, sie weichen den Geschichtenerzählern, Wahrsagern, Artisten.

    Geschichten am Jemaa al Fna

    Und warum das alles? Wegen dem Publikum. Das ist immer präsent. Am Tag von hunderten, in der Nacht von tausenden Menschen bevölkert, sucht „La Place“, wie der Jemaa al Fna auch genannt wird, seinesgleichen.

    Unsere Meinung: Ein idealer Ausgangspunkt, um Marrakesch zu erkunden. Und solltest du (ja das sollst du!) irgendwann in der Medina verloren gehen – zum Jemaa al Fna findet man immer zurück.

    Wellness aus 1001 Nacht: Hamam in Marrakesch

    Ein Hamam ist ein geheimnisvoller Ort. Der Begriff Badehaus wird dieser Definition nicht gerecht. Nicht nur, dass die islamische Kultur Marokkaner quasi dazu verpflichtet, diesen Ort einmal pro Woche aufzusuchen. Sie tauschen sich dort über Gerüchte aus, vereinbaren Ehen, spinnen Intrigen – und unterziehen sich einem jahrhundertealten Reinigungsritual.

    Wer seine Ängste überwindet und über die Schwelle ein Hamam betritt, bekommt eine gehörige Portion authentisches Marrakesch serviert. Wenn auch die Geschlechtertrennung für westliche Touristen aufgeweicht ist, so ist das Ritual doch das gleiche.

    Ein warmer Raum, an der Stirnseite ein Becken mit kaltem und warmem Wasser, markiert das Zentrum des Hamams. Nach kurzer Entspannung auf einer steinernen Bank beginnt die Prozedur, die sorgfältig einstudiert wirkt.

    Eine Schüssel wird in das warme Wasser getaucht, aus kurzer Entfernung in Richtung Körper gespritzt. Der gereinigte Körper wird mit schwarzer Seife eingerieben. Nach kurzer Einwirkzeit und erneuter Reinigung beginnt, was in Marokko als Gommage bezeichnet wird. Besser passend wäre „Ich schäle dir die Haut mit Reisnägeln vom Körper.“ Die Masseurin streift einen rauen Handschuh über und rubbelt damit den ganzen Körper ab. Zufrieden schaut sie nur, wenn sich die Haut ein wenig abschält und dabei rot färbt. Anschließend wieder Reinigung und Entspannung im Jacuzzi mit Rosenblüten. Wer will, kann sich mit anschließender Massage auch noch ein wenig echte Entspannung vergönnen.

    Das Ergebnis? Beeindruckend. So weiche Haut hatte ich selbst als Baby nicht!

    Empfehlung: Wir haben eine Hamam-Behandlung im Le Bain Bleu in der Medina von Marrakesch genossen. Kosten für 1h 45 Minuten Schrubberei und Massage: ca. 55 Euro.

    Das blaue Wunder: Jardin Majorelle

    Noch mehr Entspannung benötigt? Dann auf zur dritten Sehenswürdigkeit auf unserer Liste, dem Jardin Majorelle. Etwas außerhalb der Medina gelegen ist dafür eine Taxifahrt in den Norden nötig. Nachdem Taxifahrer für Touristen partout ihren Taxameter nicht einschalten wollen, solltet ihr euch auf maximal 50 Dirham (ca. 5 Euro) einlassen.

    Der Jardin Majorelle gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Marrakesch und das zu recht. Nach kurzer Wartezeit an der Kasse (es stellen sich immer wieder Reisegruppen an) und 70 Dirham (ca. 7 Euro) Eintritt (das angeblich sehenswerte Museum kostet nochmal 30 Dirham extra) bist du drin, mitten im schönsten Garten Eden, den die Stadt zu bieten hat.

    Teich im Jardin Majorelle

    Plötzlich fehlt der Lärm da draußen. Die fehlenden Straßengeräusche werden durch den Chitchat der zahlreichen Besucher aus aller Welt ersetzt. Schließlich hat der Garten Yves Saint Laurent gehört, der sich dort immer wieder Inspiration für seine Modekollektionen geholt hat. Geschaffen wurde dieser Ort vom französischen Maler Jacques Majorelle. Und der hat dort nicht nur Pflanzen aus aller Welt gezogen, sondern auch eine Art Decó Villa erbaut, die in intensivem Blau erstrahlt. Flankiert von knallgelben Blumentöpfen ist dieser Blauton nach ihm als Majorelle-Blau benannt.

    Art Deco Villa im Jardin Majorelle

    gelbe Vase im Jardin Majorelle

    Unsere Meinung: Der Garten ist immer sehr gut besucht, weswegen Wartezeiten eingeplant werden sollten. Der Besuch ist es aber definitiv wert. Und wenn die Warteschlange besonders lange sein sollte, gibt es gegenüber ein Café mit leckeren Smoothies.

    In der versteckten Oase: Maison de Photographie

    „It is hard to find, but well worth it.“

    Schon am Tag unserer Ankunft haben wir die Empfehlung bekommen, dass kleine Fotografiemuseum in Marrakesch zu besuchen. Im Maison de Photographie lagert ein wertvoller Schatz uralter Fotografien. Zudem befindet sich dort eine der höchsten Rooftop-Terassen der Medina – genialer Ausblick inkludiert.

    Innenhof der Maison de la Photographie

    Und ja, zu finden ist diese versteckte Oase tatsächlich schwierig. Wir wussten, dass sich das Museum in der Nähe der alten Koranschule Medersa ben Youssef befindet. Wer sich auf den Weg macht, kann sich dort hin durchfragen oder alternativ ausgehend vom Jemaa al Fna immer nach Norden halten. An der Koranschule, die aufgrund der kunstvollen Ornamente ebenfalls sehenswert ist, lungern zahlreiche junge Marokkaner herum, die gegen ein geringes Entgelt den Weg zeigen. Alternativ kann man dort in einem der Restaurants eine Kaffeepause einlegen und sich dort durchfragen.

    Schild der Maison de le Photographie

    in der Maison de la Photographie

    Warum all die Mühe? Weil es das wirklich wert ist. Die Sammlung zeigt das Marrakesch längst vergangener Zeiten. Sklaven aus dem Sudan, Karawanen auf dem Jemaa al Fna, verhärmte Gesichter von Menschen, die ein entbehrungsreiches Leben führten. In einem zauberhaften Riad mit weißem Innenhof gelegen, sind die 40 Dirham (ca. 4 Euro) Eintritt ins Maison de Photographie gut angelegt.

    auf der Rooftop Terasse

    Am Ende des Besuchs wartet dann die Rooftop-Terasse mit tollem Ausblick auf die Medina. Und – natürlich – kann dort auch eine Tasse Minztee genossen werden.

    Stiller Rückzug: Saadian Tombs

    Wer am Ende noch tiefer in die bewegte Geschichte von Marrakesch eintauchen will, der sollte noch einen Abstecher zu einer Sehenswürdigkeit in den Süden machen. Die Gräber der Saadier stammen aus dem 16. Jahrhundert, die Nekropole blieb über Jahrhunderte unentdeckt. Die Gräber sind erst seit 1917 wieder zugänglich und seither eine stille Touristenattraktion.

    Saadian Tombs

    Zahlreichen Saadier-Herrscher war in ihrer Residenz Marrakesch kein Glück beschieden, viele verloren ihr Leben gewaltsam. Am Ende wurden sie derart verachtet, dass Alewiden-Herrscher Mulay Ismail ihre Gräber hinter Mauern verbergen ließ, um die Dynastie dem Vergessen preiszugeben.

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