Neuseeland zählt zu den schönsten Ländern des Planeten. Schneebedeckte Berggipfel, die direkt aus dem Ozean empor ragen. Kilometerlange Traumstrände, wo das Brechen der Wellen den Soundtrack von Mutter Natur bestimmt. Unberührte Wälder, raue Vulkanlandschaften… kurz: Freiheit, Freiheit, Freiheit. Keine Sorge, das hier artet nicht in Schwärmerei aus. Denn ans andere Ende der Welt ist es ein ganz schönes Stück und ewig dort bleiben geht meist auch nicht. Egal ob man per Mietwagen oder Camper unterwegs ist – die ideale Route zu finden ohne eine spannende Ecke zu verpassen, kann ganz schön knifflig sein. Außer natürlich, du liest diesen Beitrag – denn wir verraten dir die (fast) perfekte 4.000km Neuseeland-Route für 3 Wochen Freiheit!

    Von A nach B: Organisiere dir ein Fortbewegungsmittel!

    Aotearoa. So wird Neuseeland von den Maori bezeichnet. Übersetzt bedeutet es „das Land der langen weißen Wolke“. Wenn du, so wie wir, dort hin reisen möchtest, hast du meist umfangreiche Planungen vor dir. Denn „lang“ ist Neuseeland mit einer Nord-Süd Ausdehnung von 1.600 Kilometern tatsächlich. Und die Gesamtfläche von 269.652 km² macht den Inselstaat immerhin dreimal so groß wie Österreich.

    Damit die Challenge Routenplanung nicht zur Tour de Force wird, solltest du rechtzeitig damit beginnen. Rechtzeitig bedeutet, zumindest ein halbes Jahr vorher. Bist du zu spät, steigen die Kosten für einen Camper exorbitant an. Neuseeland besteht bekanntlich aus zwei Inseln und deine Reise erfordert normalerweise eine Fährüberfahrt. Vergiss das Flugzeug, die Passage gehört zu den schönsten der Welt.

    Generell kann Neuseeland per

    • Mietwagen (Aufenthalt unter vier Wochen)
    • gekauftem Auto (Aufenthalt über vier Wochen)
    • Camper (maximale Freiheit) oder
    • Bus (maximal viele Gleichgesinnte kennenlernen)

    am besten erkundet werden. Geschmäcker sind verschieden – wir waren unter den Spätzündern und haben aus Kostengründen einen Mietwagen bevorzugt.

    Wer sich die Routenplanung komplett schenken will, fährt Bus und verlässt sich auf Hop-On/Hop-Off Anbieter wie kiwiexperience.com.

    (Fast) perfekte Neuseeland-Route?

    Wir teilen jene Neuseeland-Reiseroute mit euch, die wir gefahren sind. Drei Wochen Rundreise durch ein ganzes Land sind knapp bemessen und wir mussten Kompromisse eingehen. Deswegen ist die Route an jedem Halt um jene Plätze ergänzt, die wir verpasst haben aber gerne gesehen hätten.

    Wenn du an unseren Neuseeland-Highlights interessiert bist, dann lies unbedingt „Die 15 Must Do’s für Reisende in Neuseeland„.

    North Island

    Je nach Flugangebot macht es Sinn in Auckland (Nordinsel) oder in Christchurch (Südinsel) mit der Reise durch Neuseeland zu beginnen. In unserem Fall haben wir zuerst die vulkanreiche Nordinsel erkundet, bevor wir uns den Südalpen auf der Südinsel gewidmet haben.

    Die folgende Neuseeland-Route beinhaltet 4.000 Kilometer Genuss und – mit Umwegen – etwa 70 Netto-Fahrtstunden.

    Tag 1: Auckland

    Erstmal landen, raus aus dem Flughafen und Unterkunft beziehen. Je nach Tageszeit der Ankunft bleiben noch ein paar Stunden um Auckland zu erkunden (Achtung: der Flughafen liegt außerhalb). Wer Jetlag hat, sollte lieber ausspannen.

    Tag 2: Auckland – Waipoua – Paihia (Bay of Islands)

    Distanz: 370km
    Fahrzeit: 5-7 Stunden

    Erste Kiwi-Fahrregel: Linksverkehr. Zweite Kiwi-Fahrregel: Take your time! Die Straßen sind in perfektem Zustand, die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt aber viel niedriger als in Europa. Es gibt im Grunde keine Autobahnen und die Straßen sind kurvig. Die GPS-Zeitschätzung liegt meist grob falsch und gibt zu wenig Fahrdauer an.

    Dieses Learning hatten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht und haben die Distanz unterschätzt. Im Waipoua Forest haben wir der Gottheit im Wald „Tane Mahuta“ einen Besuch abgestattet. Der Kauri-Baum zählt zu den ältesten Bäumen des Planeten und ist bis zu 2.500 Jahre alt.

    Unser Ziel Paihia haben wir erst nach Sonnenuntergang erreicht, weil wir entlang des Weges zigmal gehalten haben. Atmen nicht vergessen – auch wenn die Natureindrücke atemberaubend sind. Die Luft ist so klar, wie kaum sonst wo.

    Kathi vor Tane Mahuta

    What we missed: Ninety-Mile-Beach (kann mit Genehmigung vom Wagen-Vermieter befahren werden) und Cape Reinga (nördlichster Punkt Neuseelands).

    Tag 3: Paihia

    Die Bay of Islands ist wunderschön und hat uns zum Bleiben bewegt. Paihia ist das Mekka für Delfin- und Walfans.

    Tag 4: Paihia – Hamilton

    Distanz: 350km
    Fahrzeit: 5 Stunden

    Der Ausflug in den Norden war kurz, aber vor uns liegen ja noch zwei riesige Inseln. Wer von der Bay of Islands in den Süden möchte, muss durch Auckland. Und dort kommt es zur Rush Hour, wie in jeder anderen Großstadt auch, zu riesigen Staus. Die haben uns zwei Stunden gekostet – das passiert dir jetzt nicht mehr.

    What we missed: Coromandel Peninsula (wunderschöner Nationalpark mit Hot Water Beach)

    Tag 5: Hamilton – Waikato – Rotorua

    Distanz: 200km
    Fahrzeit: 3 Stunden

    Endlich werden die Distanzen kürzer und Waikato ist ein lohnender Zwischenstopp. Dort befindet sich mit Hobbiton der Auenland-Drehort der Herr der Ringe Filmserie. Am Ende des Tages landen wir im vulkanisch-schwefeligen Rotorua. Die geothermalen Aktivitäten sind dort derart hoch, dass die Einwohner ihre Häuser durchwegs mit Erdwärme beheizen und permanet penetranter Schwefelgeruch durch den Kurort wabert.

    What we missed: Glühwürmchen-Höhlen in Waitomo

    Tag 6: Rotorua

    Hot Pools bauen, das geothermale Wunderland Wai-O-Tapu besuchen (nicht umsonst von Tripadvisor als einer der „20 most SURREAL Places in the World“ bezeichnet), ausspannen – die Gegend hat extrem viel zu bieten, weswegen wir geblieben sind.

    Champagne Pool

    Tag 7: Rotorua – Tongariro National Park

    Distanz: 190km
    Fahrzeit: 2-3 Stunden

    Entlang des Lake Taupo, dem größten See des Landes, geht es ins Vulkan-Zentrum, den Tongariro National Park.

    Tag 8: Tongariro National Park

    Mit viel Wetterglück können wir unseren Plan halten, die schönste Wanderung Neuseelands zu unternehmen. Die mehrstündige Überschreitung des Mt. Tongariro, auch Tongariro Crossing genannt, ist hier näher beschrieben.

    Katharina mit Emerald Lakes im Hintergrund

    Tag 9: Tongariro National Park – Wellington

    Distanz: 290km
    Fahrzeit: 4-5 Stunden

    Entlang kilometerlanger Traumstrände geht es in die Hauptstadt Neuseelands: Wellington. Besonders empfehlenswerter Zwischenstopp: Foxton Beach.

    Tag 10: Wellington – Picton – Nelson

    Distanz Picton-Nelson: 110km
    Fahrzeit: 3 Stunden

    Von Wellington nehmen wir die Fähre auf die Südinsel. Und landen nach faszinierenden Ausblicken auf den Queen Charlotte Sound in Picton. Von dort reisen wir über Havelock nach Nelson. Havelock ist das „Greenlip Mussel Capital of the World“ und ideal für eine feine Gourmet-Mittagspause.

    What we missed: Boots- und Wanderausflüge in die Marlborough, Queen Charlotte und/oder Pelorus Sounds

    South Island

    Tag 11: Nelson

    Nelson ist ein nettes Städtchen am Meer gelegen, aber darüber hinaus (gemessen an den anderen Sehenswürdigkeiten) nicht über die Maßen interessant. Wir haben den Tag (an dem das Wetter nicht ideal war) genutzt, um unsere Wäsche zu waschen und größere Einkäufe zu erledigen.

    Tag 12: Nelson – Parapara (Golden Bay)

    Distanz: 130km
    Fahrzeit: 3 Stunden

    Noch nie von Parapara gehört? No worries. Dafür ist der Abel Tasman Nationalpark gemeinsam mit der Golden Bay in jedem Reiseführer zu finden. Und Parapara (direkt neben Takaka gelegen…aber davon hast du wohl auch noch nie gehört) ist dafür ein guter Ausgangspunkt.

    Plane auf jeden Fall genug Zeit für die Fahrt ein. Bei Motueka ist eine enge Bergstraße zu befahren, die nur geringe Geschwindigkeiten, dafür umso schönere Ausblicke, zulässt.

    Tag 13: Parapara

    Die Golden Bay entpuppt sich für uns als Paradies, wo wir mehr Zeit verbringen als ursprünglich geplant. Schuld daran sind unter anderem die Babby-Robben, die sich im Februar/März bei Ebbe am Wharariki-Beach tummeln.

    Baby-Seal

    Tag 14: Parapara

    Reiten, Kajak fahren, Seele baumeln lassen – wir machen in der Golden Bay zum ersten Mal entlang unserer Reise so richtig Urlaub.

    Tag 15: Parapara – Pancake Rocks – Hokitika

    Distanz: 430km
    Fahrzeit: 7 Stunden

    Uns passiert es erneut, dass wir eine Fahrtroute hinsichtlich der Dauer unterschätzen. Diese Route führt teilweise stundenlang durch unbewohntes Gebiet, der Tank sollte daher bei der Abreise voll sein. Mach Halt bei den Pancake Rocks – es lohnt sich! Der zweite Abschnitt der Strecke bietet laufend großartige Ausblicke auf den wilden Ozean.

    Tag 16: Hokitika – Franz Josef Glacier – Fox Glacier

    Distanz: 160km
    Fahrzeit: 2-3 Stunden

    Wir stürzen uns in die spektakuläre Bergwelt der Südalpen und erkunden den Franz Josef Glacier. Dass der Tag mit einem Skydive am Fox Glacier enden würde, wussten wir da noch nicht. Zugegeben: Wir hatten auch wenig Zeit zum Nachdenken. Eigentlich wollten wir nur für den Folgetag reservieren, dann war zufällig noch ein Slot bei skydivefox.co.nz frei. Wenn du über einen Fallschirmsprung nachdenkst, dann dort – Gletscher, Regenwald, Ozean – mehr geht nicht, echt nicht.

    Tag 17: Fox Glacier – Haast Pass – Queenstown

    Distanz: 330km
    Fahrzeit: 5 Stunden

    Bei strömendem Regen überqueren wir den an sich spektakulären Haast Pass – und kommen bei Schönwetter in Queenstown an. Die Adrenalin-Welthauptstadt in der das Bungee-Jumping erfunden wurde, hat es in sich. Dort kann man gar nicht genug Zeit haben

    Ausblick in Richtung Queenstown

    Tag 18: Queenstown

    Wie gesagt: In Queenstown kann man gar nicht genug Zeit haben.

    Tag 19: Queenstown – Fiordland Nationalpark

    Distanz: 250km
    Fahrzeit: 4-5 Stunden

    Der Weg führt von Queenstown weiter in den Fiordland Nationalpark, wo es mit dem Milford Sound ein echtes Reisehighlight zu bestaunen gibt. Wenn es im regenreichsten Gebiet der Erde nicht gerade wie aus Kübeln gießt, ist der Ausblick auf Mitre Peak und Co. kaum mehr zu steigern.

    Mitre Peak am Milford Sound

    Tag 20: Fiordland Nationalpark – Dunedin

    Distanz: 410km
    Fahrzeit: 6 Stunden

    Nach dem Besuch des Milford Sound gilt es eine größere Strecke zu überwinden, um an die Ostküste nach Dunedin zu gelangen. Die 6 Stunden sind konservativ geschätzt.

    What we missed: Mehr Zeit im Wanderparadies des Fiordland Nationalpark wäre genauso fein gewesen wie ein Besuch von Stewart Island bei Invercargill.

    Tag 21: Dunedin – Moeraki Boulders – Christchurch

    Distanz: 370km
    Fahrzeit: 5-6 Stunden

    Entlang der Ostküste geht es dem Ende der Reise entgegen. Die runden Moeraki Boulders liegen am Weg und sind eine wertvolle Verschnaufpause. Christchurch ist nach dem Erdbeben von 2011 immer noch nicht restlos wieder aufgebaut – wir haben dort nur wenig Zeit verbracht.

    What we missed: Wären wir nur nicht so lange in der Golden Bay geblieben…dann hätten wir…ganz ehrlich: So haben wir nicht gedacht. Es ist unmöglich in drei Wochen alles zu sehen. Im Osten der Südinsel hätte es herrliche Bergmassive, Lake Tekapo und Lake Pukaki und noch viele weitere wunderbare Orte gegeben.

    No regrets! Just fun.

    Wir haben nichts bereut. Neuseeland hat so viel zu geben und uns zum Staunen gebracht. Jeder Kilometer in diesem Land ist ein Genuss. Egal ob im Auto, zu Fuß oder aus der Luft.

    Wenn du gerade an deiner Reiseplanung sitzt, dann freu dich (weil du ja jetzt die perfekte Neuseeland-Route gefunden hast – und natürlich weil dieses Land dich faszinieren wird).

    Schalt das Reise-Kopfkino an und dreh den Soundtrack von Herr der Ringe lauter. Viel Spaß!