Salzburg und geheimnisvoll? Die viertgrößte Stadt Österreichs kann aufgrund ihrer langen Vergangenheit als Kirchenstaat nicht nur mit architektonischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten punkten. In der historischen Altstadt begeben wir uns auf Spurensuche in den Untergrund, auf jahrhundertealte Friedhöfe und lauschen den Gesängen der Nonnen eines Klosters mit 1.300 Jahren Tradition. Das alles, um 10 teils dunkle, teils überraschende aber allesamt faszinierende Geheimnisse über Sehenswürdigkeiten in Salzburg zu lüften.Salzburg und die Kirche

    Erst der Vatikan, dann gleich Salzburg

    Egal ob Schloss Mirabell, Festung Hohensalzburg oder Salzburger Dom – die Geschichte der Stadt ist eng mit der katholischen Kirche verknüpft. So eng, dass die Salzburger auf eine tausendjährige Geschichte als Kirchenstaat zurückblicken können.

    Kirchenstaat? Als solcher ist heute nur der Vatikan bekannt. Das Fürsterzbistum Salzburg aber war bis 1803 ebenfalls ein autonomer Kirchenstaat mit einem Fürsterzbischof an der Spitze, der sowohl weltliche als auch geistliche Führung übernahm. Genau genommen war Mozart also gar kein österreichischer, sondern salzburger „Staatsbürger“. Schon einen Tag nach seiner Geburt wurde ihm mit der Taufe im Salzburger Dom also de facto die Staatsbürgerschaft verliehen.

    Innerhalb der katholischen Kirche genießt das „Rom des Nordens“ bis heute Sonderstatus. Bei Touristen ist die Stadt an der Salzach eher aufgrund ihrer Sehenswürdigkeiten beliebt. Und zweimal pro Jahr lassen sich alle VIPs, Kulturliebhaber und Adabeis bei den Salzburger Festspielen blicken. Was bleibt da noch unentdeckt?

    Wir erkunden 10 Geheimnisse der Sehenswürdigkeiten in der bezaubernden Barockstadt Salzburg.Stadt Salzburg

    10 Geheimnisse der Salzburger Sehenswürdigkeiten

    Erstmal beginnen wir mit einem besonders dringenden Geheimnis, auf das du ansonsten wieder ein Jahr warten musst. Danach enthüllen wir blutige, süsse und himmlische Geheimnisse, bis wir vor einem verschlossenen Mausoleum stehen. Und wenn du am Ende des Beitrags immer noch liest, erfährst du, welche Salzburger Sehenswürdigkeit du nie betreten wirst.

    1. Der Salzburger Almkanal

    Einheimischen ist der Salzburger Almkanal durchaus ein Begriff. Dieser älteste Wasserstollen Mitteleuropas führt durch den Mönchsberg und endet am Petersfriedhof. 3 Wochen im Jahr wird die Wasserversorgung im Kanal zur Reinigung trockengelegt, ansonsten ist er nach wie vor in Betrieb. Die Almabkehr, wie diese Zeit auch genannt wird, macht eine Begehung dieser einzigartigen Stollen möglich.

    Dieses Jahr ist eine Stollenführung schon besonders dringend – sie endet bereits am 28.09.2018. Also entweder du sputest dich und buchst eine Tour auf almkanal.at, oder du wartest ein ganzes Jahr, bis du wieder auf Grabsteinplatten durch das Kanalsystem waten kannst (auch im Mittelalter wurde Recycling offenbar großgeschrieben).

    2. Männliche Hexen im Salzburger Rathaus

    Das schmucke Salzburger Rathaus am Rudolfskai lässt nicht vermuten, welch grausige Szenen sich vor hunderten Jahren in dessen Kellern abgespielt haben. Dort wurde (vermeintlichen) Straftätern der Prozess gemacht. Und nachdem ohne Geständnis kein Urteil zu bekommen war, wurde von unterschiedlichen Foltermethoden Gebrauch gemacht.

    Noch weniger bekannt ist allerdings, dass in Salzburg nach dem dreißigjährigen Krieg auch männliche Gefangene als Hexen verbrannt wurden. Sie waren neben dem Rathaus vor allem im heute nicht mehr existierenden Hexenturm eingekerkert. Beliebter Hinrichtungsort war übrigens der Salzburger Residenzplatz. Dieses unrühmliche Kapitel ging als „Salzburger Zauberbubenprozesse“ in die Geschichte ein.

    3. Das Haus des letzten Henkers

    Passend zum Thema gab es einen wenig angesehenen Berufsstand, der für den Vollzug der Hinrichtungsurteile zuständig war: den Henker. Das niedere Ansehen war auch der Grund, warum niemand freiwillig diesen Beruf ergriff. Die Profession wurde stattdessen weitervererbt.

    In der Salzburger Herrengasse steht bis heute das Haus des letzten Salzburger Henkers. Franz Josef Wolmuth lebte von 1739 bis 1816 und hatte neben seinem Hauptberuf noch zahlreiche Nebentätigkeiten. Er war Zuhälter im angrenzenden Freudenhaus und verdingte sich als Organhändler und Bestatter für Selbstmörder.

    Tja – und dann wollen wir noch ein weiteres Salzburger Geheimnis lüften: Der Henker höchstselbst war auch Taufpate von Joseph Mohr (der ein Waisenkind war). Und der hat mit seinem Text zu „Stille Nacht, Heilige Nacht“ immerhin zu einem Welthit beigetragen.

    4. Langeweile im Salzburger DomSalzburger Dom

    Zurück zu den Salzburger Kirchenfürsten und ihren Prachtbauten. Denn dazu zählt der Salzburger Dom ganz sicher. Die barocke Kathedrale überstand ganze 6 Brände und ist mit hellem, weißem Kalkstein verkleidet. Genau der ist für die nächste geheime Entdeckung in dieser Sehenswürdigkeit verantwortlich.

    Kalkstein ist bekanntlich ja nicht allzu hart. Und da die Predigt des Fürsterzbischofs auch mal länger dauern kann, haben sich gelangweilte französische Soldaten an den Portalseiten des Hauptportals mit kleinen Skizzen verewigt. Tausende Touristen strömen täglich daran vorbei – ohne je Notiz von diesen kleinen historischen Zeugnissen zu nehmen.

    5. Salzburger Mozartkugel – es kann nur eine geben. Oder doch nicht?

    Salzburger MozartkugelSelbst wer noch nie in Salzburg war, kennt die leckere Köstlichkeit: Salzburger Mozartkugeln. Immerhin gibt es die im gut sortierten (österreichischen) Supermarkt zu kaufen.

    Dabei ist die Kugel in der Goldfolie gar nicht die Originalkugel.

    Der Erfinder der „Original Salzburger Mozartkugel“ heißt Paul Fürst. Der Konditor ist am Petersfriedhof begraben, seine Konditorei Fürst, im Grunde eine Must-See Sehenswürdigkeit, besteht aber bis heute. Und dort kannst du wahrhaft köstliche, handgemachte Mozartkugeln erwerben.

    Und selbst für einen guten Vergleich musst du nicht unbedingt die goldenen Kugeln probieren. Gehe stattdesen ins Café Habakuk – die behaupten zwar nicht, die Originalkugel zu haben, rühmen sich aber stattdessen der besten Mozartkugel.

    Verwirrt? Einfach probieren! Mhh…

    6. Himmlische Gesänge im Nonntaler KlosterAusblick vom Kloster Nonntal

    Sie tun es seit 1.300 Jahren und bleiben trotzdem (beinahe) unter sich. In der Benediktinerabtei Nonnberg stimmen die Nonnen jeden Morgen um 7.00 zur Morgenmesse ihren gregorianischen Gesang an.

    Dieses Erlebnis ist gerade bei Sonnenaufgang ein wahrhaft mystisches. Der Kirchenraum bleibt dunkel, die Nonnen nehmen – unsichtbar für Besucher – im Chorgestühl Platz. So bleiben nur die Ohren, um diesem Salzburger Geheimtipp auf dem Nonnberg zu lauschen.

    7. Berggemsen am Kapuzinerberg

    Gamswild mitten in der Stadt? Das gibt es nur in Salzburg. Am Kapuzinerberg tummeln sich – immerhin – neun wilde Gemsen. Als sich einst ein wilder Gamsbock dort hin verirrte wurde ihm eine halbzahme Geiß zur Seite gestellt. Die Tiere fühlen sich trotz Stadtnähe offenbar so wohl, dass sie geblieben sind.

    Die Gemsen wollen natürlich unter sich bleiben und sind daher nur neugierigen Waldbesuchern und dem Waldförster vorbehalten, der sich um die Erhaltung der Population kümmert.

    8. Zu Tode gekitzelte Frauen am PetersfriedhofStumpfögger Gräber - Petersfriedhof

    Vieles nahm am Petersfriedhof seinen Anfang. Unter anderem die Gründung der Stadt Salzburg oder der Aufstieg zum souveränen Kirchenstaat. Im Felsen gibt es Höhlen, die bis weit in die Römerzeit zurückreichen, als Salzburg noch Iuvavum hieß.

    Der Friedhof der Erzabtei St. Peter beherbergt neben dem Grab von Nannerl Mozart aber auch jenes von Sebastian Stumpfögger und seinen Gattinnen.

    Mitten am Friedhof (der durch seine alten Gräber übrigens auch eine Art Sehenswürdigkeit ist) befinden sich sieben steinerne Kreuze der Familie Stumpfögger. Der morbiden Legende nach, kitzelte der Ehemann seine sieben Ehefrauen zu Tode. Immer wenn er einer Ehefrau überdrüssig war, soll er sie in Deckeln eingewickelt und fest verschnürt haben. Dann kitzelte er sie an den Fußsohlen so lange, bis sie starb.

    Petersfriedhof

    9. Das verschlossene MausoleumMausoleum von Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau

    Auf einem anderen Salzburger Friedhof, dem Sebastiansfriedhof, endet unsere Reise durch das geheimnisvolle Salzburg fast schon wieder. Und zwar vor dem verschlossenen Mausoleum von Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau.

    Seine Geschichte ist die eines unglaublich reichen Kirchenfürsten, der die wahre Liebe fand (Salome Alt), ihr ein Schloss baute (Schloss Mirabell) und trotzdem unglücklich starb.

    Fürsterzbischof Wolf Dietrich war von der Aufhebung des Zölibats überzeugt und unterstrich das, indem er mit Salome Alt 15 Kinder zeugte. Das bewahrte in letztlich nicht davor, von den Bayern nach einer kriegerischen Auseinandersetzung gefangen genommen und auf Schloss Hohensalzburg in den Kerker geworfen zu werden. Strafverschärfend war, dass er weder seinen größten Schatz Salome Alt noch seine Kinder je wieder sehen durfte.

    Umso beeindruckender ist seine letzte Ruhestätte, das Mausoleum am Sebastiansfriedhof, welches an sein maurisches Architekturvorbild erinnert. Dort, an der Decke der Kuppel, ist das Gesicht der Salome Alt zu finden, die bis heute auf ihren geliebten Wolf Dietrich hinunter blickt.

    Wir haben im Zuge einer Führung exklusiv Zutritt bekommen – ansonsten ist das Mausoleum leider für die Öffentlichkeit geschlossen.Mausoleum - Salome Alt

    10. Scala Santa – die Stiege, die du nie betreten wirst

    Das letzte Geheimnis ist jenes, das selbst für manch eingefleischten Salzburger eine Überraschung darstellt.

    Am südöstlichen Ende der Altstadt liegt die Kajetanerkirche St. Maximilian, samt angeschlossenen Krankenhaus. Im Inneren gibt es einen Nachbau der römischen Scala Santa. Das ist jene Stiege, in der Lateranbasilika in Rom, die angeblich aus dem Palast von Pontius Pilatus stammt und auf der Jesus, als ihm der Prozess gemacht wurde, gegangen sein soll.

    Gehen ist das richtige Stichwort. Das wirst du auch auf der Salzburger Nachbildung nie. Die Stiege, die nur samstags von 11:00 bis 12:00 geöffnet hat, darf in Anlehnung an Christi Leiden nur kniend betreten werden.

    Ich hab’s probiert. Und kann die Scala Santa nur leidensfähigen Menschen empfehlen.Scala Santa Salzburg

    Weiterführende Informationen

    Die Salzburger Geheimnisse habe ich einer Pressereise gemeinsam mit dem Salzburg Tourismus und Fräulein Flora zu verdanken. Meine Meinung bleibt wie immer meine eigene.

    Ich war gemeinsam mit den Bloggern von globeaustronaut.com, marylebow.de, neleworld.com, ohtheplaces.de, thehappyjetlagger.com und onefiftytwoblog.com unterwegs. Wenn du mehr über Salzburg erfahren möchtest, wirf doch mal einen Blick auf ihre Blogs.