Välkommen in Stockholm! Es ist Wochenende, -1 Grad, Sonnenuntergang um 15:14. Der kühle Norden empfängt mich im November standesgemäß. Massen an Touristen sind zu dieser Zeit des Jahres in Stockholm längst nicht mehr anzutreffen, dafür weht neben einer steifen Brise der köstliche Duft gebrannter Mandeln durch die Straßen der schwedischen Hauptstadt. Ich bin ein Wochenende lang ohne Wartezeiten durch Museen gestreift, habe die Altstadt Gamla Stan dick eingemummt zu Fuß erkundet und Bekanntschaft mit der Coffee Culture jenes Landes gemacht, dass den zweithöchsten Kaffeekonsum überhaupt für sich beansprucht. Wer gerade selbst über eine Wochenend-Reise in den hohen Norden nachdenkt findet hier hilfreiche Tipps für einen Citytrip nach Stockholm.

    Stockholm vom Wasser

    Freitag bis Sonntag = Tipps für einen 48 Stunden Städtetrip  nach Stockholm

    Mit kurzen Städtetrips über’s Wochenende ist es ja immer so eine Sache. Die Zeit von Freitag bis Sonntag ist äußerst begrenzt, die Erwartungen trotzdem hoch. Da müssen die besten Sightseeing-Highlights genauso wie kulinarische Köstlichkeiten, Zeit für die besten Cafés der Stadt, zentrales Hotel, entspannte Anreise und und und irgendwie Platz finden.

    Mir ging’s in Stockholm nicht anders. Und die Web-Recherche im Vorfeld war entsprechend aufwändig. Hauptsächlich, weil diese wesentlichen Basics für eine Stockholm-Städtereise kaum auf einen Blick zu finden waren. Schließlich hatte ich nur 48 Stunden (Freitag mittag bis Sonntag mittag), wenig Orientierung und generell 0 Ahnung.

    Warum? Weil sich Stockholm zufällig ergeben hat. Skandinavien stand schon ewig auf meiner Wunschliste – und die Destination mit dem günstigsten Flugpreis ist es geworden.

    Wenn du wissen willst

    • mit welchen Stockholm-Apps du dir den Kauf eines Reiseführers zur Planung sparen kannst
    • wie man einfach und günstig nach Stockholm gelangt (=Anreise),
    • wo man zentral auf **** Niveau zum fairen Preis nächtigen kann (inklusive Erfahrungsbericht),
    • wie man sich in Stockholm orientiert und von A nach B gelangt,
    • welche Sightseeing-Highlights man gesehen haben sollte,
    • und wo es – for free – geführte Stadttouren gibt

    solltest du jetzt auf jeden Fall weiterlesen!

    2 Stockholm-Apps zur Vorbereitung

    Ich bin eigentlich ein Fan gedruckter Reiseführer. Gerade in der Recherchephase blättere ich gerne, mache – bitte verzeiht – Eselsohren, die digital schlicht unmöglich sind. Und nach der Rückkehr macht mich der Blick ins Bücherregal ein klein wenig stolz. Weil nur jene Reiseführer den Weg dorthin finden, die auch tatsächlich an den Orten für die sie gemacht wurden im Einsatz waren.

    Tja. Nostalgiemodus Ende.

    Reiseführer machen mein Handgepäck schwerer und auf den ersten Blick erkennbar, das ich „nur“ als Tourist im Land bin. Zudem sind sie oft schon nach wenigen Monaten wieder veraltet. Deswegen lerne ich Reise-Apps, speziell jene mit offline Kartenmaterial, immer mehr zu schätzen.

    Meine zwei (kostenlosen) Favoriten für Stockholm:

    Der Stockholm Travel Guide by Triposo (der auch für viele andere Länder verfügbar ist), ist für mich so eine Art Gesamt-Kompendium aus dem ich Hintergrundinfos und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten genauso entnehme, wie ich dem Währungsrechner die Kopfrechenarbeit erledigen lasse. Je nach Tageszeit macht die App außerdem Vorschläge für Touren, Cafes und Restaurants.

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    Android Download

    Der Friendly Stockholm Guide hingegen offeriert kuratierte Touren (z.B. Kid Friendly Stockholm, Green Stockholm, A Foodie Day in Stockholm,…) für fast alle Geschmäcker. Der Guide kann per Empfehlung (einfach Freund/Freundin zum Download der App bewegen) gratis freigeschalten werden.

    iPhone Download
    für Android leider nicht verfügbar

    How to get there – Tipps für die Stockholm Anreise

    Die meisten größeren Flughäfen bieten reguläre Flüge in Schwedens Hauptstadt an. Ich war mit Lufthansa ab München unterwegs und habe mich wegen der komfortablen Flugzeiten (Direktflüge, Freitag Abflug um 09:25 früh, Rückflug am Sonntag um 12:30 nachmittags) für diese Variante entschieden.

    Spannend wird aber der Weg vom Flughafen Stockholm Arlanda in das Stadtzentrum. Immerhin liegt der Flughafen 40km außerhalb.

    Dafür gibt es drei Möglichkeiten:

    1. Günstigste Variante (mein Favorit): Bus. Mit den Flygbussarna Airport Coaches geht es innerhalb von 45 Minuten ins Stadtzentrum (Station Cityterminalen = Hauptbahnhof). Die Busse verkehren alle 10 Minuten, es sind also kaum Wartezeiten zu erwarten. Kostenloses WiFi ist im Bus inklusive. Die Kosten dafür: SEK 99 (knapp 11 Euro) one way.
    2. Schnellste Variante: Zug. Alle 15 Minuten fährt eine Garnitur des Arlanda Express ins Stadtzentrum. Die Fahrzeit beträgt dafür lediglich 20 Minuten. Das kostet allerdings mit SEK 280 (30 Euro) one way fast dreimal so viel wie der Bustransfer.
    3. Komfortabelste Variante: Taxi. Raus aus dem Flieger, rein in den Wagen, Ziel: Hotel. Das Rundum-Sorglos Paket schlägt sich mit Preisen zwischen SEK 395 und 599 (43-65 Euro) einigermaßen empfindlich auf’s Städtetrip-Budget.

    Ich habe mich für den Bus entschieden und meine Wahl trotz der längeren Fahrzeit nicht bereut.

    Der Hotel-Tipp: Tief schlafen im schwedischen **** Designhotel

    Der Sinn für Design und Ästhetik scheint den Schweden in die Wiege gelegt. Und IKEA hat dafür gesorgt, dass alle Welt eine Idee hat, wie es in einem typisch-schwedischen Wohnzimmer wohl aussehen mag.

    Ganz so traditionell ist es in meinem Hotel nicht zugegangen, aber der skandinavische Einfluss wird im neu eröffneten HTL Upplandsgatan offen und stolz zur Schau getragen. Das Hotel ist zentral, ganz in der Nähe der wichtigsten Einkaufsstraße Drottninggatan (wo Ketten wie H&M – auch ein schwedischer Export – ihre Läden haben) gelegen und auch der Hauptbahnhof ist innerhalb weniger Minuten fußläufig zu erreichen.

    Beim Betreten des Hotels musste ich kurz nach der Rezeption fragen, ohne zu wissen dass ich schon davor gestanden war. Ein einfacher kleiner Tisch in der Lobby, die gleichzeitig Frühstücksraum ist (mmhh… Blueberry Smoothies), tut es eben auch.

    Die Zimmer sind klein, aber durchdacht. Statt einem Kleiderschrank müssen Reisende mit Kleiderbügeln auskommen. Für eine kurze Städtereise nach Stockholm in Ordnung, für längere Reisen eine Herausforderung.

    Besonders fein: Eine Lade unter dem Bett hält zusätzliche Decken für kalte Nächte bereit. Beeindruckt hat mich auch die seltene Möglichkeit, iPad, Laptop & Co mit dem Flat-TV zu verbinden.

    Die Zimmer kosten pro Nacht – je nach Saison – für zwei Personen etwa 100-150 Euro inklusive Frühstück.

    Fazit: Ein jüngeres, urbanes Klientel fühlt sich im HTL Upplandsgatan auf jeden Fall wohl!

    Kungsholmen, Gamla Stan, Södermalm, ??? – Orientierung in Stockholm

    Ich muss gestehen, aus Schwedisch kann ich mir nur teilweise einen Reim machen. Die Bezeichnungen von Straßen und Vierteln gingen bei mir zu Beginn beim einen Ohr rein und beim anderen wieder raus. Übrig geblieben ist nur Verwirrung.

    Um die Sache für dich einfacher zu machen: Stockholm besteht aus vielen größeren und kleineren Inseln. Die meisten davon sind über Brücken mit dem Festland verbunden. Die Stadt ist nicht besonders groß, die meisten Sehenswürdigkeiten sind per pedes zu erreichen.Wenn du vom Flughafen in die Stadt gelangst ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du am Stockholmer Hauptbahnhof auf Kungsholmen landest.

    Bewegst du dich in südliche Richtung landest du in Gamla Stan, der Altstadt von Stockholm. Im Inneren der Altstadt verliert man zwar leicht die Orientierung aber die (kleine) Insel ist rund – wer außen rum läuft kommt also auf jeden Fall wieder an den Ausgangspunkt zurück. Wer weiter nach Süden vorstößt landet in Södermalm, auch als SoFo bezeichnet. Viele kleine Designer-Läden und Cafés mit Hipstern prägen dieses Viertel.

    Sergels Torg in StockholmWer sich vom Hauptbahnhof in östliche Richtung bewegt landet am Sergels Torg. Der Platz mit großer Skulptur in der Mitte beherbergt zum einen das Stockholm Visitors Board (Drottninggattan 33), wo es gratis Infomaterial und Karten zu holen gibt. Zum anderen dient Sergels Torg als zentraler Orientierungspunkt, an den Touristen immer wieder zurückkehren.

    Noch weiter in Richtung Osten und man landet entweder auf Skeppsholmen um das Museum of Modern Art zu besichtigen oder auf Djurgården, wo noch viele weitere Museen, wie z.B. das Vasa Museum oder das Skansen-Freilichtmuseum, beheimatet sind.

    Wer auf der Suche nach einem guten Ausblick ist, sollte die Djurgården Fähre nehmen und nach Gamla Stan schippern. Vom Wasser aus gesehen, entfaltet Stockholm seine ganze Schönheit.

    Djurgarden Fähre

    Wer den Ausblick von einem Hügel genießen möchte, kann die Ubahn nach Södermalm nehmen, bei Mariatorget aussteigen und den Skinnvarviksberget in der Ludvigbergsgatan besteigen. Von dort entstehen viele Stockholm-Postkartenbilder.

    Stockholm Ausblick

    Abraten kann ich von einem Ausflug zum Kaknästornet ganz im Osten der Stadt – der Ausblick in 155 Metern Höhe ist zwar der höchste in Stockholm, allerdings ist die Plattform komplett vergittert. Tolle Fotos sind dadurch unmöglich.

    Top 3 Sightseeing-Spots in Stockholm

    Meine Planung für 48 Stunden schwedische Hauptstadt waren – wie immer – viel zu ambitioniert. Nachdem es im Spätherbst schnell dunkel wird, habe ich Museen erst nach 15:00 besucht. Auch Shopping-Aktivitäten machen bevorzugt nach Einbruch der Dunkelheit Sinn. Das alles, damit mehr Zeit bleibt, das wunderschöne Stockholm auch bei Tageslicht zu erkunden.

    Hier meine persönlichen Top 3 Must-Sees:

    1. The City is the Hero: Stockholm hat keinen Eiffelturm, keinen Stephansdom und auch kein Brandenburger Tor. Dafür großartige Architektur, viel Natur und die Lage direkt am Meer. Erkunde Stockholm so intensiv wie möglich auf zwei Beinen und genieß den Flair der Stadt! Sehr empfehlenswert sind dafür die Hafenpromenade auf Djurgården, die engen Gassen von Gamla Stan und das hippe SoFo (Södermalm).
    2. Vasa Museum: Die Vasa ist in Wahrheit eine Peinlichkeit par excellence, ist sie doch als eines der am stärksten bewaffneten Kriegsschiffe seiner Art bei der Jungfernfahrt 1628 noch im Hafen untergegangen. Nach der Auffindung in den 1950er Jahren wurde es mühevoll restauriert. Das Schiff ist das Museum, das Museum ist das Schiff. Mit viel Liebe zum Detail wird die Geschichte dieser Havarie den Besuchern vermittelt.
    3. Stockholm vom Wasser: Nimm die Djurgården Fähre und erlebe bei Sonnenuntergang ein glühendes Stockholm vom Wasser aus – eine ideale Fotogelegenheit.

    Vasa Schiff

    Kostenlose Städteführungen in Stockholm

    Stockholm ist in puncto Essen, Trinken und Einkaufen vergleichsweise teuer. Umso überraschender ist es, dass man bei Städteführungen richtig Geld sparen kann.

    Free Tour Stockholm organisiert seit 2010 Touren und bietet mit City-Tour, Söder-Tour und Old-Town Tour gleich drei Möglichkeiten die Stadt zu erkunden. Die erfahrenen Tourguides sind häufig Studenten, das Publikum ebenfalls jung. Und der Preis? Unschlagbar. Lediglich (bevorzugt großzügige) Trinkgelder sollten am Ende hinterlassen werden.

    Ich habe die City-Tour probiert und bin mit einer Gruppe von etwa 25 Personen knapp zwei Stunden durch die Innenstadt gelaufen. Auf dieser Tour sieht man nicht nur, wo Kronprinzessin Victorias heutiger Ehemann früher als Fitnesstrainer gearbeitet hat, sondern auch wo jährlich die Nobelpreise übergeben werden oder wo der Begriff „Stockholm-Syndrom“ geprägt wurde. Wer der Sache nicht traut, sollte die Tripadvisor Ratings lesen.

    Jetzt bist du dran. Hinterlass doch einfach in den Kommentaren deinen ganz persönlichen Stockholm-Tipp.

    Vielen Dank an das Stockholm Visitors Board und das Hotel HTL Upplandsgatan, die diese Reise unterstützt haben. Meine Meinung bleibt – wie immer – meine Meinung.