Stille. Wie hört sich die völlige Abwesenheit von Geräuschen an? Wenn nicht einmal der Wind sich die Mühe macht, dieses Vakuum mit seinem Rauschen zu füllen. Die akustische Wahrnehmung völlig lahmgelegt ist. Ja, es rauscht in meinen Ohren. Aber das ist das Blut, das von meinem Herzen Schlag für Schlag durch den Körper gepumpt wird. Ich blicke in ein Meer – aus Sand. 100 Meter tiefer schlummern die Bewohner des Wüstencamps noch. Die Düne der Erg Chebbi, auf der ich stehe, leuchtet rot im Sonnenaufgang, als mir bewusst wird, dass ich nur noch mich selbst höre.

    Nahe der algerischen Grenze, etwa 600 Kilometer und ein hohes Gebirge von Marrakesch entfernt, liegt die Erg Chebbi. Wir haben im Rahmen unserer Wüstentour durch Marokko das dort gelegene Wüstencamp von Desert Luxury Camp besucht. Weit abgelegen, fernab von jeglicher Zivilisation. Auf den ersten Blick eine lebensfeindliche Umgebung, auf den zweiten voller Magie. Ein seltsamer Ort, der vielleicht gerade wegen der im Jänner herrschenden, frostigen Wintertemperaturen seinen ganzen Zauber entfaltet hat.

    Das unendliche Sandmeer: Erg Chebbi

    Sanddüne in der Erg ChebbiAls Erg werden die Sandmeere der Sahara bezeichnet. Der Begriff bedeutet übersetzt Dünenmeer. Entgegen der ersten Annahme speichern Ergs wertvolles Wasser, entgegen der zweiten Annahme sind nur 20 Prozent der Wüsten weltweit „echte“ Sandwüsten und damit Ergs.

    Die Erg Chebbi ist neben der Erg Chegaga eine von nur zwei reinen Sandwüsten in Marokko. Das Gebiet ist lediglich 22 Kilometer lang und 5 Kilometer breit, umgeben von Geröllwüste und kleineren Örtchen wie Merzouga und Erfoud, wo viele Wüstentouren ihren Ausgang haben.

    Marhaba – Ankommen im Desert Luxury Camp

    Wir nehmen Platz auf weichen Polstern und blicken, mit einem Glas Minztee in der Hand, auf die untergehende Sonne. Als wäre die Wüstenszene ohne sie unvollständig, tauchen am Horizont zwei Kamele auf, dem Camp entgegen. Geführt von einem Kameltreiber reiten auf ihnen zwei Gäste, die vom Besuch bei einer Nomadenfamilie zurückkehren.

    Vor uns flattern geräumige weiße Beduinenzelte, die zum Schutz gegen den Wind im Halbrund aufgebaut sind. Der freie Platz in der Mitte ist mit schweren Teppichen ausgelegt, das größte Zelt dient als Restaurant für Frühstück und Abendessen. Hinter uns eine mächtige Sanddüne, zu ihren Füßen zwei Sandboards, die auf darauf warten, gefahren zu werden.Desert Luxury Camp

    During the summertime we have to close the camp because it reaches 50 degrees Celsius or more.

    Unser Gastgeber Hussein, selbst mit traditioneller Djellaba und Turban gekleidet, hat weiße Atemwölkchen vor dem Gesicht, als er über das Camp spricht. Die Temperaturschwankungen hier sind enorm. In der Winterzeit hat es tagsüber angenehme 20-25 Grad, in der Nacht sinkt das Thermometer jedoch unter den Gefrierpunkt. Aber darauf ist man im Desert Luxury Camp gut eingestellt.auf der Düne

    Nachdem wir die Gläser geleert haben, zeigt Hussein uns das Innere unserer luxuriösen Kurzzeit-Behausung. Auf über 20 Quadratmetern dominiert ein riesiges King-Size Bett die Szene. Vier Schichten Decken sind vorgesehen, um uns die Zeit möglichst angenehm zu machen. Aber eigentlich ist es im Inneren erstaunlich warm.

    Hussein zeigt auf einen Heizstrahler in der Ecke, der tapfer seinen Dienst verrichtet. „The heater works until 11 o’clock but you can have as many hot-water bottles as you want“ schmälert er den aufkeimenden Optimismus ein wenig. Dafür gibt es angrenzend ein privates Badezimmer mit Dusche und Toilette. Luxus mitten im Nirgendwo.das Innere des Berberzeltes

    1001 Nacht im Wüstencamp

    Als wir das Zelt wieder verlassen, ist es endgültig dunkel geworden. Jemand hat in der Zwischenzeit dafür gesorgt, dass wir trotzdem unseren Weg zum Restaurant-Zelt finden. Im rötlichen Schein hunderter flackernder Laternen gleitet die Szenerie endgültig in einen orientalischen Traum aus 1001 Nacht ab.Desert Luxury Camp bei Nacht

    Beim Abendessen begegnet uns wieder Hussein, fragt nach persönlichen Essensvorlieben und No-Go’s. Er macht klar, dass hier nicht nach strengem Speiseplan sondern entsprechend der Wünsche der Gäste gekocht wird. Auf das in Marokko so beliebte Lammfleisch verzichten wir, ansonsten lassen wir uns überraschen. Nicht lange danach dampfen vor uns zwei traditionelle Tajines, randvoll gefüllt mit Hähnchen, Couscous und Gemüse. Auch die einzige Katze im Camp (wie könnte es in Marokko anders sein – Katzen gibt es hier überall) bekommt ihre Portion – der Koch hat uns mit seinen Portionen schlichtweg überschätzt.

    Rappelvoll rollen wir nach mehrfachem „sukran“ (Danke) aus dem Restaurant. An einer großen Feuerschale vor uns warten Wasserpfeifen und zwei trommelnde Marokkaner auf uns. Als der Blick gen Himmel schweift, rücken die beiden allerdings in den Hintergrund. Über uns leuchten Milliarden Sterne, das wolkige Band der Milchstraße ist klar erkennbar. Um noch mehr sehen zu können, stehlen wir uns davon und entfernen uns vom Camp in die pechschwarze Dunkelheit.

    Der Morgen danach

    Ein Blick auf die Uhr, es ist 6:00 morgens. Noch über eine Stunde bis Sonnenaufgang. Unter den vier Deckenschichten ist es wohlig warm, den Wärmflaschen sei Dank. Die kalte Nasenspitze lässt trotzdem die frostige Realität draußen erahnen. Hilft nichts, der Sonnenaufgang ist eben nichts für Warmduscher. Apropos. Bei Minusgraden duscht es sich auch im privaten Badezimmer-Zelt nicht so angenehm. Wieder was gelernt – beim nächsten Mal dann tagsüber.

    Schließlich siegt der Drang nach Sonnenaufgang. Raus aus dem Bett, rauf auf die Düne, die sich hinter dem Camp dem Himmel entgegen streckt. Einen Schritt nach dem anderen, den steilen Hang empor, vertreibt man die Kälte so am schnellsten – und wird reichlich belohnt.Sonnenaufgang in der Erg Chebbi

    Leuchten die Dünen im Halbdunkel noch zartrosa, verwandelt sich ihre Farbe im Sonnenaufgang in reinstes Gold.Sprung in den Sanddünen der Erg Chebbi

    Die vollkommene Stille in der dieses farbenprächtige Naturschauspiel stattfindet, hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Einatmen. Ausatmen. Genießen.

    Wüstentour durch Marokko geplant? Über das Desert Luxury Camp

    Inmitten der Erg Chebbi bietet das Desert Luxury Camp eine besonders hochklassige Möglichkeit, die Sandwüste Marokkos im Rahmen einer Wüstentour zu erleben. Die großen Zelte mit angeschlossenem Badezimmer, eine Vielzahl an Aktivitäten wie Kamelreiten und Sandboarden, sowie das bemühte Personal machen den Aufenthalt zu einer ***** Erfahrung, die ihresgleichen sucht. Zusätzliche Bewertungen finden sich auf Tripadvisor.

    Die Anreise ist mit Fahrer im Allradfahrzeug und auch per Helikopter möglich. Der Spaß mit eigenem Mietwagen hört spätestens beim Ritt durch die Dünen auf – selbst unser erfahrener Fahrer ist mit seinem Wagen zweimal stecken geblieben.

    Vielen Dank an das Desert Luxury Camp, das diese Reise unterstützt hat. Unsere Meinung bleibt – wie immer – unsere Meinung.